Spielangebot auf dem Tablett „serviert“
Kita Auguste setzt Idee nach Montessori um
Eine alte Kaffeemühle, dazu ein paar Kaffeebohnen und kleine Tüten – ein Szenario, in dem Kindergartenkinder stundenlang versinken können. Die Kaffeebohnen in den Trichter kullern lassen, die Handkurbel drehen, das frisch gemahlene Kaffeepulver in der Schublade entdecken und in Tütchen füllen. Es gibt dabei nicht nur neue Geräusche und Düfte zu entdecken. Die Kinder tüfteln auch daran, sich mit den nötigen Handgriffen vertraut zu machen und an der eigenen Motorik zu feilen. Ein paar Alltags- und Naturmaterialien, angerichtet auf einem einfachen Tablett – daraus lässt sich eine unendliche Vielfalt an Beschäftigungsimpulsen für Kinder kreieren, und zwar schnell und kostengünstig. Die sogenannten Aktionstabletts erleben gerade ihre Renaissance in deutschen Kitas. Auch in der Kolping Kita Auguste in Bad Lippspringe sind sie im Einsatz.
Aktionstabletts bieten Kindern vielfältige Beschäftigungsimpulse: wie Farben sortieren.
„Immer mehr Kitas entdecken die Aktionstabletts für sich“, beobachtet Marina Witte, Erzieherin in der Kita Auguste. Neu ist die Idee hingegen nicht. Ihr Ursprung stammt aus der Montessori-Pädagogik. Getreu dem Motto: Hilf mir, es selbst zu tun. „Es ist eine gute Methode, um selbstbestimmtes Lernen zu fördern und mit Spaß die Entwicklung von Fähigkeiten und Fertigkeiten zu fördern“, sagt Marina Witte, die sich zur Fachkraft für Montessori-Pädagogik hat ausbilden lassen.
Spezielle Fertigkeiten erlernen
Ein einfaches Tablett ist die Basis. Hier werden mit Alltagsgegenständen und einfachen Materialien von den pädagogischen Fachkräften Aktivitäten bereitgestellt. „Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt“, sagt Marina Witte. Einzige Bedingung: Die Aktivitäten richten sich nach den Kindern. Was versucht das Kind aktuell zu lernen? Was sind seine Interessen?
In ihrer „Mäuse“-Gruppe hat sie jüngst diese Methode eingeführt. Zwei Tabletts stehen den U3-Kindern in den Regalen zur Verfügung. Auf einem dreht es sich um Farben: Die Kinder können Pompons in den Grundfarben in entsprechend farbige Schälchen sortieren. Ein Schwierigkeits-Upgrade: Weitere Farben kommen hinzu. Und noch später wird die sprachliche Komponente ergänzt: Die Farbadjektive werden geübt. Auf einem zweiten Tablett animieren vorgezeichnete Türmchen dazu, die Bauwerke mit Duplosteinen nachzubauen. Jeweils nach ein oder zwei Wochen bestückt Marina Witte die Tabletts neu, denn ihre U3-Schützlinge entwickeln sich in diesem Alter schnell, so dass die Angebote den Bedürfnissen der Kinder angepasst werden müssen.
Jedes Aktionstablett ist darauf angelegt, eine spezielle Fertigkeit zu erlernen. Es geht um die praktischen Dinge des Lebens wie öffnen, schließen, greifen, schütten oder legen. Themen wie Farben, Formen, Zahlen, Buchstaben und naturwissenschaftlich Phänomene werden aufgegriffen, gefördert werden unter anderem Sprache, Wahrnehmung, Selbstständigkeit, Konzentrationsfähigkeit, Kognition, Motorik und Problemlösungskompetenz. Während jüngere Kinder vornehmlich das Wahrnehmen und Sortieren trainieren, geht es bei den älteren Kindern vermehrt auch ums Forschen und Experimentieren.
Ideen und Material aus dem Alltag
Was alle Aktivitäten eint: Die Kinder lernen eigenständig und in ihrem eigenen Tempo, um Handlungsabläufe und Zusammenhänge zu verstehen und zu verinnerlichen. „Die Kinder kommen dabei zur Ruhe, weil sie sich intensiv mit den Tabletts auseinandersetzen. Außerdem lieben sie Wiederholungen“, ergänzt Marina Witte weitere Vorteile des spielerischen Lernens.
„Wichtig ist, die Kinder nicht zu zwingen, sie nicht unter Druck zu setzen oder zu überfordern“, betont die Montessori-Fachkraft. Stattdessen bestimmen die Kinder Dauer, Verlauf und Intensität des Spiels selbst. Bei älteren Kindern kann man auch gemeinsam überlegen, was auf den Tabletts arrangiert werden soll. „Man lebt von den Interessen der Kinder“, sagt Marina Witte, die bereits bei ihrem früheren Arbeitgeber mit Aktionstabletts gearbeitet hat. Hoch im Kurs standen bei den Kindern bisher beispielsweise Bilderlegen mit Glasnuggets, Sandsieben durch einen Trichter oder Schüttübungen mit gefärbtem Wasser.
Einen großen Ideen- und Materialfundus bietet der Alltag: Ob Reis, Erbsen, Sand, getrocknete Kidneybohnen oder im Herbst beispielsweise Kastanien und Eicheln – man muss nicht viel Geld ausgeben. Auch Becher, Gefäße, alte Kaffeedosen oder Muffinformen aus dem Haushalt und Verpackungsmaterialien lassen sich in das spielerische Lernen einbinden. Im Internet gibt es zudem zuhauf Ideen für die Aktionstabletts.
Nicht nur für Kitas geeignet
Das können sich auch Eltern zuhause zunutze machen und ihren Kindern Aktionstabletts zusammenstellen. „Auch für Kinder mit Behinderungen oder Beeinträchtigungen eignet sich das Angebot“, ergänzt Marina Witte mit Blick auf Förderschulen. Kitas, die mit Aktionstabletts arbeiten möchten, empfiehlt sie, sich intensiver mit den Hintergründen der Montessori-Pädagogik auseinanderzusetzen. Eine Weiterbildung in diesem Bereich kann dabei wertvolle Impulse geben.